Heyoka-Theater

Sonderpreis der SWU

Das Team des Heyoka-Theaters.
Das Team des Heyoka-Theaters.

Wie wurde Verantwortung übernommen und welche Zielsetzung wurde dabei verfolgt?

Im Heyoka-Theater spielen Menschen mit Behinderungen, Menschen mit psychischen Krankheiten, engagierte Laienschauspieler und Profis zusammen. Grundvoraussetzung und Potential ihrer Arbeit sind gegenseitiger Respekt, Akzeptanz und Vertrauen in jeden einzelnen Teilnehmer und das daraus entstehende Ensemble als Ganzes. Auf dieser Basis können die Mitglieder die unterschiedlichsten Begabungen entdecken, zusammenführen und auf die Bühne bringen.

Der Begriff „Heyoka“ stammt aus der Sprache der nordamerikanischen Lakota. In der Kultur der Plainsindianer hatten die Heyoka die Aufgabe, die gewohnte Form des Zusammenlebens immer wieder in Frage zu stellen. Auch „Contraries“ genannt, stellten sie zum Beispiel den Arbeitsrhythmus auf den Kopf, spielten verrückt und brachten eine heilsame Unordnung in den Alltag. Die Bedingung für diese wichtige Aufgabe war die grundsätzliche Bereitschaft, anders zu sein als die Anderen. Dieses Anderssein, das die Normalität in Frage stellt, ist das Leitbild des Heyoka-Theaters.

 

Wer profitiert davon und welche Bedarfssituation spricht für die Verantwortungsübernahme?

Zuerst natürlich die Schauspieler selbst, die eine Steigerung ihres Selbstwertgefühles und das besondere Zusammengehörigkeitsgefühls des Teams erleben. Die Zuschauer, die eine für viele ganz neue und andere Art des Theaterspiels erleben können. Die Stadt Ulm, die ihr Kulturangebot mit einem Inklusionstheater bereichern darf. Gelebte Inklusion/Integration bedeutet, Andersartigkeit der Menschen zu mischen, um glücklich und zufrieden miteinander zu leben.

 

Welchen Umfang hat das Engagement?

Das Stammteam mit ca. fünf Personen ist zuständig für Gestaltung des Stückes, Anpassung an die jeweiligen Fähigkeiten der Schauspieler, Zusammenspiel mit der Musikgruppe, Erstellen des Probenplans, Werbung, Pressearbeit etc. Der wechselnde Schauspielplan erfordert stets ein starkes Engagement aller Beteiligten. Die Bandbreite geht von ehrenamtlichen Mitarbeitern bis zu Vollzeitkräften.

 

Wie nachhaltig ist die Initiative?  

Das Heyoka-Theater ist inzwischen dauerhaft im Roxy und im Theater Ulm (Podium) etabliert. Die Stadt Ulm unterstützt das Projekt durch eine Förderungszusage auf 3 Jahre. Zuschauer, die eine Aufführung gesehen haben, kommen gerne bei den nächsten Darbietungen wieder. Mit dem Stück "Räubermaria" hat Heyoka-Theater den Lamathea-Preis 2015 gewonnen, der Anerkennung für ehrenamtliches Engagement und Ansporn für weitere Theaterprojekte zum Inhalt hat. Aktuelle Schulvorstellungen sind alle ausverkauft. Und nicht zuletzt ist das Gründungsteam seit Beginn mit viel Freude und Leidenschaft in ihrer Arbeit geschlossen unterwegs, was die Nachhaltigkeit unterstreicht.