33 Jahre bei derselben Bank – das klingt nach Routine, nach klaren Wegen, nach einer Karriere ohne große Ausschläge. Doch bei Claudia Schmidt ist das Gegenteil der Fall. Heute leitet sie die Organisationsabteilung, sitzt im Betriebsrat und sogar im Aufsichtsrat der Volksbank Ulm-Biberach. Dort entscheidet sie über Fusionen, Vorstände und Strategien. Im Gespräch erzählt sie, warum sie anfangs sofort wieder weg wollte, wie sie ihre erste Führungsrolle mitten in einer Krise übernahm und warum Bankgeschäft manchmal eher Seelsorge ist.
Frau Schmidt, Sie sind seit 33 Jahren bei der Volksbank. Wer das hört, denkt vermutlich an Routine. Ist es wirklich so gradlinig verlaufen?
Ganz und gar nicht. Ich habe meine Ausbildung damals bei der Konkurrenz gemacht. Über eine Diplomarbeit bin ich Anfang der 90er zur Volksbank gekommen – und eigentlich wollte ich nach einem halben Jahr schon wieder gehen. Ich hatte nicht mal einen eigenen Schreibtisch.
Geblieben sind Sie trotzdem – und prägen heute als Leiterin der Organisationsabteilung die Bank. Wie kam es dazu?
1996, mitten in der Krise. Es ging um Kreditrisiken, die die Bank nicht mehr stemmen konnte. Externe Berater waren im Haus, überall Sparmaßnahmen. Genau in dieser Phase habe ich die Organisationsabteilung übernommen. Meine erste Führungsrolle – da hieß es einfach: durchhalten.
Organisation klingt nach viel im Hintergrund. Was genau macht Ihre Abteilung?
Wir sind so etwas wie die unsichtbare Infrastruktur. Wir gestalten Abläufe, dokumentieren, betreuen Anwendungen aus dem Rechenzentrum. Damit der Berater am Kunden frei arbeiten kann, muss bei uns im Hintergrund alles laufen. Man merkt uns erst, wenn etwas nicht funktioniert.
Heute sitzen Sie im Aufsichtsrat. Was bedeutet das für Sie?
Dort fallen die großen Entscheidungen: Fusionen, Vorstandsbesetzungen, strategische Fragen. Im Prinzip ist der Aufsichtsrat das Kontrollorgan unserer Chefs, also unserer Vorstände (lacht). Besonders prägend war die Zeit, in der es vor vielen Jahren zu einem kurzfristigen Vorstandswechsel kam. Da habe ich gespürt, wie wichtig die Stimme der Mitarbeitenden ist.
Drei Rollen - eine Haltung
Sie sind Führungskraft, Betriebsrätin und Aufsichtsrätin zugleich. Ist das ein Widerspruch?
Eigentlich ja – normalerweise sitzt man da auf verschiedenen Seiten. Aber genau das ist mein Vorteil. Ich kenne die Themen der Mitarbeitenden, sehe aber auch die Herausforderungen des Managements. Das macht mich zur Brückenbauerin, auch wenn es nicht immer bequem ist.
Gab es einen Moment, der Sie besonders geprägt hat?
Ja, ein Selbstversuch in einer Geschäftsstelle. Drei Mitarbeiterinnen, die keine Minute zum Verschnaufen kamen, weil die Kundinnen und Kunden Schlange standen. Dauernd neue Herausforderungen, von App-Einrichtung bis Konto-Sorge. Da war viel Seelsorge dabei. Das hat meinen Blick geschärft: Kosten sparen darf nicht heißen, die Front auszudünnen.
Neue Wege, digital und zum Anfassen
Digitalisierung verändert die Arbeit. Was war für Sie ein Highlight?
Ganz klar: 2024 die Einführung von Microsoft 365. Wir kamen aus Lotus Notes – das war eine andere Welt. Seitdem können die Teams endlich digitaler zusammenarbeiten und viel Neues ausprobieren. Das hat Spaß gemacht.
Sie haben auch ein Faible für Umbauten …
Stimmt. 2014 habe ich beim Umbau des Beraterparks mitgewirkt, jetzt steht die Sanierung des Hauptgebäudes am Olgaplatz an. Da sieht man am Ende wirklich, was rauskommt – und bekommt direkt Feedback, ob begeistert oder kritisch.
Gemeinsam stark - heute und morgen
Und wie blicken Sie in die Zukunft?
Junge Kunden wollen Banker ohne Krawatte, junge Mitarbeitende wollen weniger Hierarchie und mehr Eigenverantwortung. Wenn wir die Leute richtig einsetzen, brauchen wir kaum Kontrolle. Mein Wunsch: flachere Strukturen, mehr Selbstbestimmung.
Wie geht es der Volksbank Ulm-Biberach eG heute?
Uns geht es gut. Wir sind stabil durch Krisen gekommen, haben 19 neue Azubis gewonnen – während andere Banken keine finden. Oder um es salopp zu sagen: Wir sind halt einfach richtig gut.
Frau Schmidt, wenn Sie auf Ihre 33 Jahre bei der Volksbank zurückblicken – was überwiegt?
Stolz. Es war nicht immer einfach, aber ich durfte in ganz unterschiedlichen Rollen Verantwortung übernehmen und viel bewegen. Ich habe erlebt, wie sich die Bank verändert hat – technisch, organisatorisch, kulturell. Und ich weiß: Ohne die Menschen hier würde nichts funktionieren.
Und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass wir mutig bleiben. Dass wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst nehmen und die junge Generation mit ihren Ideen und Erwartungen wirklich einbinden. Wenn uns das gelingt, dann bin ich sicher: Die Volksbank Ulm-Biberach eG wird auch die nächsten Jahrzehnte stark bleiben.