Seit über drei Jahrzehnten prägt Dirk Dobra die Volksbank Ulm-Biberach – als Revisor, Betriebsratsmitglied und Aufsichtsratsmitglied. Im Gespräch erzählt er, warum Zuhören wichtiger ist als Reden, weshalb Mitbestimmung echte Verantwortung bedeutet und was „Meine Bank fürs Leben“ für ihn persönlich heißt.
Dirk Dobra im Interview
Von der IT in die Gremienarbeit
Herr Dobra, Sie engagieren sich neben Ihrer Tätigkeit in der Revision sowohl im Betriebsrat als auch im Aufsichtsrat. Was hat Sie motiviert, sich so stark einzubringen?
Seit meiner Ausbildung 1992 bin ich bei unserer Bank. In dieser Zeit habe ich immer wieder erlebt, wie wichtig es ist, dass Mitarbeitende über starke Vertretungen in Gremien wie den Betriebsrat eine starke Stimme haben und Entscheidungen nachvollziehbar und fair getroffen werden. Mich treibt vor allem der Gedanke an, dass wir als Bank für unsere Mitarbeitenden genauso verlässlich sein sollten wie für unsere Mitglieder und Kundinnen und Kunden. „Meine Bank fürs Leben“ bedeutet für mich deshalb auch: ein verlässlicher Arbeitgeber fürs Leben.
Was hat Sie beruflich besonders geprägt – eher der Alltag oder konkrete Wendepunkte?
Beides. Der Alltag zeigt über Jahre hinweg, was Menschen wirklich bewegt. Gleichzeitig gab es klare Stationen, die mich geprägt haben: mein Einstieg in die IT kurz nach der Ausbildung, meine Wahl in den Betriebsrat 2002, kurz darauf in den Aufsichtsrat und später mehrere Jahre als freigestellter Betriebsratsvorsitzender. Diese Phasen haben mein Verständnis von Verantwortung und Perspektivwechsel stark geprägt.
Lösungsfinder mit Blick für Bank und Mitarbeitende
Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben?
Als eine Mischung aus beobachtend, vermittelnd und gestaltend – mit Schwerpunkt auf Gestalten. Aus der Revision bringe ich den analytischen Blick mit. Vermittelnd, weil in der Gremienarbeit geht es darum, Interessen zusammenzuführen. Und gestalten heißt für mich, nicht nur Probleme zu benennen, sondern Lösungen zu entwickeln.
Was reizt Sie an der Arbeit in den Gremien?
Die Schnittstelle zwischen Strategie, Mitbestimmung und den konkreten Anliegen der Mitarbeitenden. Im Betriebsrat sehe ich direkt, wie Entscheidungen wirken. Im Aufsichtsrat erkenne ich die großen Linien dahinter. Diese Perspektiven zu verbinden ist anspruchsvoll – aber genau das macht die Aufgabe spannend.
Warum ist die Mitarbeitenden Perspektive im Aufsichtsrat wichtig?
Weil Entscheidungen nur dann funktionieren, wenn sie im Alltag umsetzbar sind. Mitarbeitende stellen Fragen, die man aus der strategischen Perspektive leicht übersieht: Ist das praktikabel? Welche Qualifizierung braucht es? Wie wirkt sich das auf Motivation und Vertrauen aus? Dieser Blick macht Entscheidungen realistischer und letztlich erfolgreicher.
Menschen mit Blick für die Zukunft
Welche Themen beschäftigen die Belegschaft derzeit besonders?
Drei Punkte sehe ich aktuell häufig: Erstens die Geschwindigkeit von Veränderungen durch Digitalisierung. Zweitens steigende Komplexität und Arbeitsbelastung durch regulatorische Anforderungen. Drittens Fragen nach Weiterentwicklung und Sicherheit. Mein Anspruch ist, diese Themen in die Gremien zu tragen und dafür zu sorgen, dass die Menschen hinter den Prozessen nicht aus dem Blick geraten.
Wie erleben Sie die Zusammenarbeit zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und Betriebsrat?
Als offen und konstruktiv. Unterschiedliche Rollen und Interessen gehören dazu, aber das gemeinsame Ziel ist klar: die Volksbank Ulm-Biberach zukunftsfähig zu halten. Entscheidend sind Vertrauen, Transparenz und die Bereitschaft, auch kritische Fragen auszuhalten.
Was Aufsichtsratsarbeit heute bedeutet
Welche Rolle spielt der Aufsichtsrat beim Wandel?
Er setzt den Rahmen, kontrolliert und hat auch Vorbildfunktion. Wir müssen Veränderungen kritisch prüfen, dürfen sie aber nicht blockieren. Wichtig ist, Risiken im Blick zu behalten und gleichzeitig darauf zu achten, dass Veränderungen verständlich kommuniziert werden.
Was macht für Sie eine gute Unternehmenskultur aus?
Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich Kultur. Für mich gehören Transparenz, Respekt, Verlässlichkeit und Entwicklungsmöglichkeiten dazu. Wenn Mitarbeitende sich langfristig wohlfühlen können, wird „Meine Bank fürs Leben“ glaubwürdig.
Wie hat sich die Aufsichtsratsarbeit über die Jahre verändert?
Früher standen klassische Themen wie Zahlen und Kreditrisiken im Vordergrund. Heute spielen Regulatorik, Digitalisierung, IT-Sicherheit und Nachhaltigkeit eine viel größere Rolle.
Die Arbeit ist deutlich intensiver geworden und zugleich wesentlich strategischer. Das verlangt vom Aufsichtsrat heute eine deutlich stärkere fachliche Durchdringung, kontinuierliche Weiterbildung und einen engen Austausch mit Vorstand und den Prüfungsinstanzen.
Das macht uns aus
Was bedeutet „Meine Bank fürs Leben“ für Sie persönlich?
Als Aufsichtsrat heißt es für mich, langfristige Stabilität sicherzustellen. Als Betriebsrat bedeutet es dazu beizutragen, dass unsere Bank ein verlässlicher Arbeitgeber ist. Beides gehört zusammen: Nur wenn wirtschaftliche Stärke und gutes Miteinander Hand in Hand gehen, wird dieser Anspruch Realität. Am Ende geht es darum, für unsere Mitarbeitenden und für unsere Kundinnen und Kunden eine Bank zu sein, der sie in allen Lebensphasen vertrauen können.
Was braucht eine Bank heute, um dieses Versprechen einzulösen?
Stabilität, Nähe und Zukunftsorientierung. Sicherheit schafft Vertrauen, persönliche Ansprechpartner schaffen Bindung und moderne Lösungen sichern die Zukunft. Wenn diese drei Faktoren zusammenkommen, ist das kein Slogan mehr, sondern gelebte Realität.
Das ist Meine Bank fürs Leben
Was haben Sie persönlich aus Ihrer Gremienarbeit gelernt?
Gelassenheit und Klarheit zu verbinden. Es gibt immer unterschiedliche Interessen und manchmal Druck. Dann hilft es, ruhig zu bleiben, zuzuhören und anschließend klar Stellung zu beziehen. Vertrauen ist dabei das wichtigste Kapital.
Was macht für Sie einen perfekten Tag aus?
Ein Moment echter Ruhe, ein gutes Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen und das Gefühl, etwas Sinnvolles bewegt zu haben. Wenn ich abends sagen kann, dass wir unsere Bank oder unsere Zusammenarbeit ein Stück weitergebracht haben, war es ein guter Tag.