Seit über drei Jahrzehnten leitet Joachim Dünkel das Familienunternehmen, das sein Großvater 1954 gründete. Neben seinem beruflichen Engagement prägte er als langjähriger Obermeister und stellvertretender Kreishandwerksmeister das Handwerk in der Region Biberach – und als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, nach wie vor, die strategische Ausrichtung der Volksbank Ulm-Biberach eG. Im Gespräch spricht er über Verantwortung, Wandel und die Kraft der Generationen.
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Joachim Dünkel im Interview
Unternehmer mit Freude an Verantwortung
Herr Dünkel, was hat Sie zum Unternehmer gemacht – war das Ihr eigener Weg oder eine Familientradition?
Aus Erzählungen meiner Eltern weiß ich, dass mein Großvater, der das Unternehmen 1954 gegründet hat, immer sagte: „Mein Enkel Joachim soll einmal das Autohaus übernehmen.“ Kurz darauf ist er leider gestorben – aber mein Weg war vorgezeichnet. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Seit 36 Jahren leite ich unser Unternehmen mit Begeisterung. Inzwischen ist auch unser Sohn Felix in die Geschäftsleitung eingestiegen, damit ist der Weg in die nächste Generation gesichert.
Das Unternehmertum liegt bei uns in der Familie – über Jahrzehnte. Auch meine Brüder, sowie mittlerweile meine Nichten und Neffen, sind unternehmerisch stark engagiert. Wir sind alle eng mit der Region und mit der Volksbank verbunden. Diese Verwobenheit über Generationen prägt uns.
Sie sind Geschäftsführer, waren viele Jahre Obermeister und sind heute im Aufsichtsrat aktiv. Wie schaffen Sie das alles?
Ich war schon immer jemand, der sich gerne engagiert. 20 Jahre als Obermeister der Kfz-Innung Biberach, 15 Jahre stellvertretender Kreishandwerksmeister, 15 Jahre Mitglied im Arbeitgeberverband und andere Engagements – das alles war sehr bereichernd. Wenn man Prioritäten setzt und Freude an Verantwortung hat, ist das kein Kraftakt. Ich habe in all diesen Ehrenämtern viel gelernt und bin dankbar für die Erfahrungen.
Zwei Jahrzehnte Aufsichtsrat
Seit wann sind Sie bei der Volksbank Ulm-Biberach engagiert?
Meine Verbindung zur Volksbank reicht Jahrzehnte zurück – zunächst als Kunde. 2005 wurde ich in den Aufsichtsrat der Volksbank Biberach gewählt, später – nach der Fusion mit Ulm – in den Aufsichtsrat der Volksbank Ulm-Biberach. Heute bin ich stellvertretender Vorsitzender. Unsere Familie ist eng mit der Bank verbunden: Unsere Tochter hat dort ein duales Studium absolviert, meine Frau war über 15 Jahre in der Bürgerstiftung aktiv, davon zehn Jahre als Vorsitzende. Sie sehen, unsere Familie ist sehr stark mit der Volksbank verwurzelt. Diese Verbundenheit über Generationen hinweg macht mich stolz.
Was macht die Arbeit im Aufsichtsrat für Sie besonders?
Der Aufsichtsrat ist mit einer äußerst breiten Berufsklassifikation besetzt. Der Aufsichtsrat, als auch die einzelnen Ausschüsse, werden regelmäßig durch den Vorstand informiert. Die Kultur zwischen dem Vorstand und dem Aufsichtsrat gilt als ausgesprochen harmonisch. Die Sitzungen sind geprägt durch lebhafte, konstruktive, aber auch kritische Diskussionen. Auf eine maximale Risikostreuung wird sehr viel Wert gelegt. Es werden weitreichende Entscheidungen kontrovers diskutiert, alles zum Wohle der Bank, nicht umsonst lautet unser Slogan: „Meine Bank fürs Leben“.
Das Miteinander ist entscheidend
Wie sieht Ihr Alltag als Unternehmer heute aus – haben sich Ihre Prioritäten verändert?
Früher habe ich Vollgas gegeben – da war wenig Raum für Pausen. Heute genieße ich die Zeit mit meiner Frau und meinen beiden Enkeln. Ich bin heute entspannter. Früher war Erfolg für mich ein gutes Betriebsergebnis, heute bedeutet Erfolg viel mehr. Dazu zählt für mich eine tolle, glückliche Familie zu haben, gesund zu sein. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit.
Sie haben den Betrieb Ende der 80er übernommen, Ihr Sohn führt diesen heute mit Ihnen weiter. Wie erleben Sie die Unternehmensnachfolge?
Als ich den Betrieb übernahm, war das eine intensive Zeit – sehr hohe Verbindlichkeiten, viel Verantwortung, viel Druck. Rückblickend würde ich meinem jüngeren Ich raten, etwas gelassener zu sein. Man muss nicht alles sofort schaffen. Heute bin ich froh, dass wir Entscheidungen gemeinsam treffen können. Das Miteinander ist entscheidend und verbindet.
Die Automobilbranche hat sich stark verändert. Wie erleben Sie diesen Wandel?
Da wir es aus der Vergangenheit gewöhnt waren langfristig zu denken und zu handeln fällt es uns derzeit besonders schwer Investitionen zu tätigen. Themen wie Elektromobilität, Fördermaßnahmen, Verbrennerverbot, die jeden Tag durch die Medien in den unterschiedlichsten Interpretationen verbreitet werden erschweren uns das Tagesgeschäft, da unsere Kundinnen und Kunden verunsichert sind und anstehende Fahrzeugbeschaffungen in einzelnen Fällen verschoben werden. Die Politik ist daher dringend gefordert, wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Kaufkraft stärken und Planungssicherheit geben.
Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für die Wirtschaft?
Das größte Problem ist die Unsicherheit. Früher konnte man in längeren Zeitdekaden planen. Heute ändern sich Gesetze, Steuern und Rahmenbedingungen ständig. Dazu kommen geopolitische Risiken. Diese Unbeständigkeit lähmt Investitionen – das spürt besonders der Mittelstand. Was fehlt, ist Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft.
Welche Rolle spielt dabei die Volksbank Ulm-Biberach?
Eine sehr große. Die Volksbank ist ein verlässlicher Partner – mit starken Werten und hoher Kompetenz. Sie bietet individuelle Lösungen, kennt die Menschen vor Ort und denkt nachhaltig. Bei der Mitarbeiterführung werden Themen wie Gesundheitsmanagement, Altersvorsorge oder Fördermaßnahmen gelebt.
Mit Mut und Vertrauen in die Zukunft
Was wünschen Sie sich von der nächsten Unternehmergeneration?
Mut, Ideen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Jede Generation steht vor ihren eigenen Herausforderungen, doch wir dürfen uns nicht entmutigen lassen. Denn nur wer anpackt, kann auch gestalten – und so die Welt von morgen prägen.
Ihr Fazit nach über drei Jahrzehnten Unternehmertum?
Ich bin dankbar, dass ich diese Verantwortung übernehmen durfte. Ohne Mut und Vertrauen in die Zukunft geht es nicht. Ohne Familie aber auch nicht.