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Aufsichtsrat Michael Lassen

Inside Aufsichtsrat

Michael Lassen

Verantwortung entsteht nicht durch Titel, sondern durch Nähe

Er ist seit der Ausbildung bei der Volksbank Ulm-Biberach, kennt die Bank aus dem Maschinenraum und sitzt heute gleichzeitig nah an der Belegschaft und im strategischen Gremium. Im Gespräch erklärt Michael Lassen, warum er Verantwortung nicht geplant hat, wie Mitbestimmung in der Praxis funktioniert und weshalb „Meine Bank fürs Leben“ am Ende vor allem mit Menschen zu tun hat.

Michael Lassen
im Interview

Aufsichtsrat Michael Lassen

Aus der Mitte in den Vorsitz

Herr Lassen, Sie sind Betriebsratsvorsitzender und Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Was hat Sie dazu gebracht, Verantwortung über Ihre eigentliche Rolle hinaus zu übernehmen?

Ich bin seit meiner Ausbildung hier und habe früh erlebt, wie wichtig eine starke Stimme für Mitarbeitende ist. Mir sind Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Vertrauen wichtig. Wenn ich die Chance habe, etwas mitzugestalten, dann nutze ich sie. Es geht mir darum, dass Entscheidungen fair sind und die Perspektive der Mitarbeitenden immer mit am Tisch sitzt.

War das ein Plan oder eher etwas, das „passiert“ ist?

Es war kein Plan. Ich war mehrere Wahlperioden normales Betriebsratsmitglied und parallel in der Promitarbeiterbank tätig, der Bank in der Bank. Das war eigentlich mein berufliches Zuhause. Dann hat der damalige Vorsitzende zum Jahreswechsel 2019/2020 aus persönlichen Gründen gesagt, er gibt das Amt ab. Und plötzlich kamen Stimmen: „Michael, kannst du dir das vorstellen?“ Erst war ich eher in Abwehrhaltung. Man denkt: Das ist zu groß. Aber je mehr Gespräche ich geführt habe, desto klarer wurde: Nach 14 Jahren, mit dem Blick auf die ganze Bank und die Menschen, könnte das passen.

Was war emotional schwieriger: das Amt anzunehmen oder den alten Job dafür loszulassen?

Das Loslassen. Die Arbeit in der Promitarbeiterbank war etwas Besonderes, weil du nicht mit Fremden sprichst, sondern mit Kolleginnen und Kollegen, die du kennst. Aber Betriebsratsarbeit in unserer Größenordnung funktioniert nicht „halb halb“. Dafür braucht es volle Zeit und volle Präsenz.

Betriebsrat heißt vor allem: Zuhören und Dranbleiben

Viele verbinden Betriebsrat vor allem mit Konflikten. Was ist Betriebsratsarbeit wirklich?

Extrem vielfältig. Ich sage gern: Die Zeit drittelt sich. Ein Drittel sind persönliche Angelegenheiten, wenn Mitarbeitende zu uns kommen oder wenn Führungskräfte und Personalthemen aufschlagen. Ein Drittel sind Betriebsvereinbarungen, also Dinge, die die ganze Belegschaft betreffen, wie Arbeitszeitregelungen. Und ein Drittel ist Projektarbeit. Wir sind in vielen Projekten eingebunden, damit Entscheidungen nicht nur technisch, sondern auch menschlich passen.

Wie bekommen Sie mit, „was gerade los ist“ in der Bank?

Durch persönlichen Austausch. Und zwar nicht nur die klassische Betriebsversammlung, wo einer spricht und viele zuhören. Wir gehen seit einigen Jahren einmal im Jahr in die Abteilungen, direkt in die Team-Jour-Fixe. Das ist für mich das größte Highlight, weil du Themen nicht über Flurfunk bekommst, sondern direkt. Und du kannst am nächsten Tag schon daran arbeiten.

Sie sagen, Mitbestimmung hat viel mit Psychologie zu tun. Was meinen Sie damit?

Menschen öffnen sich nicht auf Knopfdruck. Manche haben Befürchtungen: Was passiert, wenn ich etwas anspreche? Da brauchst du Fingerspitzengefühl und oft den richtigen Moment. Manchmal hörst du in einer Runde zwischen den Zeilen etwas heraus und suchst am nächsten Tag bewusst noch einmal das Gespräch. Nicht, um zu drängen, sondern um Raum zu geben.

Mensch vor dem Paragrafen

Wie wichtig ist Ihnen dabei das Gesetz, das Betriebsverfassungsgesetz?

Das Gesetz ist ein starkes Werkzeug, klar. Man könnte vieles schnell damit „lösen“. Aber langfristig bringt dich das nicht immer weiter. Oft geht es nicht um Paragrafen, sondern um Menschen, die miteinander wieder sprechen müssen. Das kostet mehr Zeit und Geduld, ist aber nachhaltiger.

Sie tauschen sich auch mit anderen Betriebsräten aus. Was bringt Ihnen das?

Sehr viel. Es gibt Austauschformate mit anderen großen Volksbanken, Seminare und regionale Runden. Oft sitze ich da, höre zu und denke: Ich bin froh, wie wir hier sind. Nicht, weil alles perfekt ist, sondern weil unser Miteinander wirklich trägt.

Worauf ich mich verlassen kann

 „Meine Bank fürs Leben“: Was bedeutet das für Sie als Betriebsrat und als Aufsichtsrat?

Als Aufsichtsrat heißt das, langfristig und strategisch zu denken: Stabilität, gesundes Geschäftsmodell, Verantwortung für die Region. Als Betriebsrat heißt es, ein verlässlicher Arbeitgeber über viele Lebensphasen zu sein. Damit Menschen sagen können: Auf diese Bank kann ich mich verlassen. Als Kunde, aber eben auch als Mitarbeitender.

Was gibt Ihnen persönlich Rückhalt?

Meine Familie. Und der Austausch mit vertrauten Kolleginnen und Kollegen. Zu wissen, dass man Dinge gemeinsam trägt.

Und wie bekommen Sie den Kopf frei?

Bewegung. Sport oder ein Spaziergang. Das sortiert den Tag.

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